begegnungen

meine seele erstarrt, wenn ich durch die straßen gehe, wo leere augenpaare sie mit eisernen lidern erstechen, an vermessenen zähnen schleifen sie ihre glänzenden zungen, die scharfe worte schleudern, mir meine rohe nackthheit zu entblößen. in den haaren aber bleiben sie hängen und schrecken zurück beim anblick, weil dort der tod ins gesicht geschrieben steht. die flucht vor dem blanken entsetzen führt durch mattschwarze ringe, die schimmernd den eingang der ausgehöhlten augen zieren. da beuge ich mich vor, um sie aus ihrem schlaf wach zu küssen, doch der atem, auf dem wege ihnen warmes leben einzuhauchen, gefriert und fällt zu boden. beim verkneifen des bleiernen klonk, beiße ich mir auf die lippen und gleichzeitig ein stück wange ab, das nun seidig weich im warmen blut des maules schwimmt und mich berauscht dem pochen des pulses lauschen lässt.

meine seele erstarrt, wenn ich auf einer parkbank sitze, wo anderer blicke die augen aus den vertiefungen meines wesens picken und nagen an hautschuppen und ätzen furchen gleich tiefen tälern mir ins gesicht. die offenstehenden münder saugen an der sauren milch, ein ersticktes verschlucken entwischt, da sie in die bäckchen sich verbeißen um mikrofasern herauszureißen. fletschen sie die zähne oder lächeln sie mir zu, nein, sie lachen mit mir statt über mich, nein, nimm es nicht persönlich, die verrückte psyche muss vererbt oder antrainiert sein. aber die erfahrung, das erlebnis können sie selbst aus den herausgepickten augen nicht lesen, denn stumm bleibt jeder schrei, der sich zwischen zwiebelschichten abgelagert hat. aber die fäulnis lebt im kern eines taugenichts oder nicht tauglichen fort, fort mit dir, denn ohne glied keine kette.

meine seele erstarrt, wenn ich auf der wiese liege, wo sie verwächst mit der still strahlenden erde und jeder grashalm zur klinge mutiert, ich höre den wind die trockenen blätter über den asphalt treiben, die schnaubenden spürhunden gleich dicht über den boden wetzen. mit seinem verstummen halte ich die atmung inne, da sie vom ausströmen ergriffen ihre verfolgung wieder aufnehmen würden. schon eilen die spaziergänger herbei, um die tote zu sehen, wie sie lebendig zu ihren füßen liegt. im bewusstsein, ihre blicke nicht erwidern zu können, ohne mich zu verraten, kriechen im schatten ihres bannes die aasfresser heran, um sich satt zu sehen. als der erste ein stück fleisch herauslösen möchte, federe ich hoch und trete jenes blatt zu bruche, welches mir am nächsten lag, die brösel hinterlassen eine spur, die schreibt: kommt mir nicht zu nahe. so stehe ich am ende dieser spur, alleine.